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Hospizbewegung-Hilden :: Nachrichten
Hospiz-Nachrichten Nr. 22 (2015)

Sterben dürfen…

In der Hospizarbeit begegnen wir zumeist Menschen, die kurze, heftige Erkrankungen haben. Für diese Menschen können wir inzwischen, wie ich meine, sehr viel tun. Die Palliativpflege kennt viele Erleichterungen gegen belastende Symptome, die Maßnahmen der Palliativmedizin haben sich in den letzten Jahrzehnten erheblich erweitert und die Unterstützung durch ambulante Hospizdienste und stationäre Hospize ist vielen Menschen bekannt. Verbreitet wird dieses Wissen unter anderem auch durch Angehörige, die in ihrem Umfeld von solchen Erfahrungen erzählen.

Seit längerem beschäftige ich mich persönlich aber intensiv mit der Frage, was wir für Menschen tun können, die an chronischen, langwierigen, erbarmungslosen Krankheiten leiden? Darauf finden wir auch in der Hospizbewegung meiner Meinung nach noch zu wenig Antworten.

Meine Fragen sind vielfältig, befriedigende Antworten habe ich für mich in dieser gedanklichen Auseinandersetzung (noch?) nicht gefunden: Idealisieren wir vielleicht die Möglichkeit der Begleitung im Sterben - auch weil das weniger weh tut als auf diejenigen zu schauen, die ihre Situation nicht mehr ertragen und sich ein schnelles Ende ihres Lebens aus eigener Hand oder mit der Unterstützung eines Arztes oder Angehörigen wünschen?
Respektiere ich, dass es Lebens- und Leidenssituationen gibt, in denen der Tod der einzig denkbare Ausweg ist?
Bewerte ich, dass diejenigen "besser sind", wenn sie auch im Leid geduldig sind? Halte ich es aus, dass einer sagt: Trotz aller Hilfe, die ihr mir gebt, kann und will ich es nicht mehr ertragen?

Für mich persönlich gelten Grenzen allerdings dort, wo nach aktiver Sterbehilfe wie z.B. in den Niederlanden bei der "Tötung auf Verlangen" von Ärzten oder nach gewerblicher und/oder organisierter aktiven Sterbehilfe gefragt wird.

Wenn die Angst "zur Last zu fallen" als zusätzliche Not für den Kranken entsteht, sind wir meiner Meinung nach als Gesellschaft auf dem falschen Weg, denn keiner soll sich dafür entschuldigen müssen, dass er weiterleben möchte!

In allen Situationen brauchen die Betroffenen und ihre Angehörigen jemanden, mit dem sie sprechen können. "Wie wird es uns ergehen, wenn wir später sagen müssen: Wir haben der Therapiezieländerung zugestimmt und damit möglicherweise die Lebenszeit unseres Angehörigen verkürzt, weil wir keine lebensverlängernden Maßnahmen gefordert oder sie sogar abgelehnt haben. Wie können wir damit fertig werden?"

Ich glaube, jeder braucht einen Ort, an dem die Ängste und Bedenken ausgesprochen werden dürfen; jeder braucht Personen, die ohne Angst und ohne Vorbehalte zuhören.

Ulrike Herwald, Koordinatorin in der Hospizbewegung Hilden


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